Frauenwelt der Dominikanischen Republik

„Farbige“  Frauenwelt der DomRep

Ein kleiner Raum, kaum 6 qm, in der Mitte ein kräftiger Schreibtisch, dicht davor 3 abgesessene Stühle, die aber auch schon an der Wand stehen. Die gegenüberliegende Wand ist belegt durch zwei Aktenschränke getrennt durch eine Ablage, auf der Fax, Kopierer und eine Schreibmaschine steht, die wohl nicht mehr auf den Schreibtisch paßt. Natürlich liegen überall Akten und Papiere herum, denn auf dem Schreibtisch befinden sich 2 Telefone, eine Rechenmaschine auf der linken Seite. Rechts steht ein Bildschirm und das Keyboard, – wo ist denn der Drucker, schießt mir durch den Kopf,- aber schnell konzentriert sich mein Blick auf die zierliche Person die zwischen so viel Arbeit hinter ihrem Schreibtisch, recht unauffällig auf den ersten Blick, wirkt.

Denn hat man sich erst einmal zwischen den Schreibtisch auf einen der Stühle gezwängt, auf den ich mit einem kurzen Lächeln verwiesen wurde, erkennt man schnell, das nicht dies Büro, diese kleine Frau dominiert, sonder sie hier der Boß ist, zumindest was diese, in unseren Augen so bescheidene Arbeitsstätte, betrifft.

Während sie telefoniert, betätigt sie mit der rechten Hand die kleine Rechenmaschine aus der sich ein scheinbar endloses Papierband kringelt und der Zeigefinger der linken Hand wandert an den Zahlenkolonnen auf einem kleinen Stapel Rechnungen lang. Den Hörer des Telefons hat sie dabei zwischen Kinn und Schulter geklemmt, was ihr sehr gut gelingt, ohne ein Hilfsmittel, von denen wir ja viele kennen.

Ich werde warten, bis das Telefonat beendet ist, da ich es gewohnt bin, die volle Aufmerksamkeit meines Gegenübers zu bekommen und sehe mich noch etwas in dem Raum um. Währe die Wand links von mir, in der sich die Tür befindet nicht eine riesige Glasscheibe, würde dieser Raum eher einer Abstellkammer gleichen, als dem Verwaltungsbüro einer großen karibischen Klinik. Die Frau tippt immer noch schnell und erbarmungslos auf der Rechentastatur herum und auch das Gespräch scheint sehr ernst und geschäftlich zu sein, wobei die linke Hand zu einem weiteren Stapel Rechnungen greift.

Da nun schon das zweite Fax reingetickert kommt, greift sie, mit der Linken kurz hinter sich und reist das Faxpapier ab, legt es nach einem kurzen Blick darauf in eine geöffnete Schublade, tippt und redet dabei fleißig weiter.
Das gibt mir nun doch die Zeit, diese Frau etwas genauer zu betrachten, was ich zuvor nicht für notwendig gehalten hatte, denn ich wollte eigentlich nur meine Klinikrechnung und einige Papiere abholen. Es währe mir egal, wer dies macht und dauern tut in diesem Land eh‘ alles ein "wenig" länger, aber diese Art von Arbeit war doch etwas ungewohnt, besonders in solcher Umgebung.

Trotzdem sich in meinem Kopf diese Frau schon zu einer Dame entwickelt hatte, blieb sie immer noch "gut gebräunt", was man in diesen Ländern als Mulattin bezeichnet. Egal wie schnell, konzentriert und aufmerksam sie arbeitete, sie wurde nicht weißer und bei dem anschließenden Gespräch bestätigte sie dann auch, das sie echte Dominikanerin und eben "nur" eine Buchhalterin sei. Wie ich schon sagte, war sie klein, fast zierlich, hatte glattes kurzes Haar wirkte ansonsten recht durchschnittlich und schien Ende 30 zu sein. Wobei man sagen muß, das entgegen allem was man uns in Europa so erzählt hat, die farbige Frau oder allgemein Afroamerikaner, meistens jünger wirken und von uns sehr schwer im Alter zu schätzen sind. Eine brasilianische Freundin sagte mal zu mir:" Wenn Farbige "Älter" wirken, dann sind sie richtig Alt, da kannst du sicher sein." , und dies kann ich nur durch meine Erfahrungen bestätigen.
Das Ganze hat sich in Santiago/DR zugetragen, nicht in Washington Heights NY (der Stadtteil von New York in dem außerhalb der DR die meisten Domis leben). Auf Grund meiner über 30jährigen DomRep Erfahrung darf ich sagen, das dies kein Einzelfall ist sondern ein Beispiel für eine andere Art von "Farbe" der Dominikanerin. Das Bild, das durch den schnell ansteigenden Tourismus, in Europa, im Internet oder sogar bei vielen Residenten (Ausländer die in DR leben), über "DIE DOMINIKANERIN" verbreitet wird, ist falsch, ungerecht und wie alle Stereotype, dumm.

Oft kommt es mir vor wie früher in der Seefahrt, wo nach dem Besuch der Hafenkneipen, von einigen Kollegen die gesamte "Damenwelt" des Landes in einen Topf geschmissen wurde. Nicht unbedingt negativ, das will ich nicht damit sagen, so dumm sind noch nicht einmal Seeleute, aber eben alle gleich: "So sind die Frauen/Weiber in………., da hab ich Erfahrung", war dann später der Kernsatz.

Bei der finanziellen Beurteilung, der DomRep geht es da viel sachlicher zu, denn die meisten glauben sehr schnell zu erkennen, das es sehr Reich und sehr Arm gibt und auch etwas dazwischen. Das aber die Abstände gewaltig sind, und auch das man mit ganz Reich kaum in Kontakt kommt –will man ja auch gar nicht- und das ganz Arm nicht gleichbedeutend mit ganz Dumm, aber wohl mit etwas faul, zu tun hat.

Selbst wenn dies so richtig währe, was es natürlich nicht ist, wird hier jedoch noch differenziert im Gegensatz zur Meinung über die Frauen. Woran mag das liegen, sind die wirklich so schwarz – weiß? Oder kommt dies aus der Summe der Enttäuschungen, von Männern die in die 3.Welt zogen mit riesigen Mengen an unrealistischen Erwartungen?
Darauf darf sich jeder selber eine Anwort geben, denn hier soll es nun endlich um die Frauen gehen und nicht mehr um das dümmliche Bild das von Männern über sie gemalt wird.

Die Dominikanerin gibt es nicht, oder anders herum gesagt, sie ist genau so "farbig" in ihrer Vielfalt, wie es ihre vielen verschiedenen "Farben" eigentlich schon zeigen. Die Unterschiede sind wesentlich Größer als wir dies aus Europa kennen, lange nicht so homogen und dies wird sich hoffentlich auch nicht so schnell ändern. Denn schließlich ist dies eines der wenigen Beispiele die es noch gibt, für die Zusammenführung verschiedener Kulturen, aber ganz besonders, verschiedener Lebensstile, Erziehung und Umgangsformen innerhalb einer Glaubensrichtung.

Auch wenn sich die DomRep mehr als alle anderen Latin-Länder, nordamerikanisch ausrichtet (ähnlich Kuba, bevor Fidel kam) hat sie doch noch viel vom spanischen ex Mutterland. Natürlich gibt es die wohlerzogenen Töchter, die vor der Ehe nicht allein mit einem Mann in der Öffentlichkeit und schon gar nicht in geschlossenen Räumen, auftreten dürfen. Natürlich gibt es das Selbstbewußtsein afrikanischer Frauen, die nicht ihrem Partner untertan sind, sondern sich gleichberechtigt fühlen. Geht es um die Kinder, oder "funktioniert" der Mann nicht richtig, wird er zum Teufel geschickt, unabhängig von den Folgen, über die man eben erst später nachdenkt. Schließlich ist da ja noch die Familie.

Selbstverständlich gibt es die gut ausgebildete Selbständige Dominikanerin, die ihren Mann – siehe oben- im Berufsleben steht, sich zu kleiden und zu bewegen weiß. Und alle haben sie zwei Dinge gemeinsam, erstens leben sie noch eine sehr natürliche Sexualität und zweitens, kommen sie privat, so gut wie nie mit Touristen zusammen. Ihr oberstes Lebensziel ist ja auch nicht, wie in den ganz armen Bereichen, das Land zu verlassen.

Sie wollen erobert werden, wie alle Frauen auf der Welt und können sich dies Verhalten durch geringere Abhängigkeiten und gute Ausbildung, eben leisten.
Es soll aber nun in keinem Fall der weibliche Teil der Dominikanerinen abqualifiziert werden auf die der Tourist, Resident, oder Seemann z.B. trifft. Damit meine ich nicht die professionelle Prostituierte, die es leider nach dem Ein/Überfall europäischer Touristen seit kurzem auch gibt, sondern Frauen und Mädchen aus den einfachen Bevölkerungsschichten.

Dort wo Alter noch etwas mit Weisheit, aber auch mit sozialer Sicherheit zu tun hat, wo man zeitig lernt das jedes der zwei Beine die man besitzt in verschiedenen Kulturen zu Hause sein kann, und das der Liebe Gott einem nicht ganz selbstverständlich zu einem zufriedenen Leben verhilft.

Wer will hier behaupten, das diese häufig sehr attraktiven und fast immer lebenslustigen Frauen, weniger korrekt oder wertvoll sind? Nur weil sie versuchen mit ihren Mitteln, das für sie vermeintlich Beste aus ihrer Situation zu machen? Nur weil sie sich nicht die Art von Hilfe angedeihen lassen, wie ein überschlauer Europäer sie aus seinem Standpunkt heraus für richtig und gut hält?
Sind wir uns da so sicher das wir, aus der "ersten Welt" das Rezept haben, wenn es uns mit 38 Stundenwoche, selbst im Urlaub nur selten gelingt zu lachen, was Domis nach 60 Arbeitsstunden/W. immer noch können.?

Da kommt es dann schon mal vor, das die "Überlegenen" durch die dumme einfache Frau in der 3. Welt zu Unterlegenen im wahrsten Sinne des Wortes gemacht werden und nicht verstehen wann sie verloren haben. Verloren nicht nur finanziell, sonder so wie man ein Spiel verliert, denn so etwas in der Art ist es für Domis.
Fast alle Ausländer stellen fest, das Domis oft wie Kinder sind, vergessen aber dabei das Kind sein, nichts mit der Menge an Intelligenz zu tun hat, sonder nur mit der Form wie man sie anwendet. Auch Kinder sind intelligent, da dies ja etwas angeborenes ist und nicht erst in den Schulen der westlichen Welt, gelöffelt wird.
Das austesten von Grenzen wird hier zum Gesellschaftsspiel und da der "Kulturmensch" aus der anderen Welt, die Spielregeln weder kennt, noch erkennt, hat er selten Gelegenheit dies Spiel zu gewinnen. Selbst bei dem ständigen Versuch die Regeln zu ändern, ist er meistens erfolglos, versteht die Welt nicht mehr und hat sehr schnell Schuldzuweisungen zur Hand. Wie konnte ihm das nur passieren, wo er doch den "Papst in der Tasche" hat sich im Bett so toll mit Ihr versteht?

Ich habe viel Respekt vor diesen Menschen, ganz besonders vor diesen tollen, selbstbewußten Frauen die es immer wieder verstehen uns zu verzaubern und in ihren Bann ziehen. Mir ist kein anderes Land bekannt, wo es auf so engem Raum so bunt, farbenfroh, vielfältig, lebenslustig, abenteuerlich, aufregend weiblich, zugeht. So wie fast jede einzelne Dominikanerin über eine große Palette von äußerer Verwandlungsfähigkeit verfügt, ist sie innerlich sehr stark in ihre feste Struktur eingebunden, was ihr auch diese besondere Art des Selbstbewußtsein gibt mit dem sie die Spielregeln bestimmt.
Deshalb kann man sie nur so genießen wie sie ist und sollte nie versuchen, sie zu erziehen, denn dann ist das Spiel verloren.

PS. Zwei Tips: 1.) Wie bei allen Glücksspielen, nicht versuchen, die Regeln zu ändern, sondern mit ihnen Arbeiten indem man sie anerkennt und durchschaut. 2.)Da fast 40% der Bevölkerung sich auf die beiden großen Städte St. Domingo + Santiago konzentrieren, sollte man auch nur dort versuchen, die "Farbige Vielfalt" der Dominikanerin zu erforschen, ist einfacher und schützt vor Fehlurteilen.

Autor: Charly H.-G.Wardelmann

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